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Zur Premiere von Der Tod in Venedig

Ab 14. Mai 2022

Was passiert, wenn ein erotisches Faszinosum zur Obsession wird?
Man vergisst alles rund um sich – auch jede Gefahr. In eben diesen Sog gerät Gustav von Aschenbach in Der Tod in VenedigDavid McVicar inszeniert Benjamin Brittens Meisterwerk als Koproduktion mit dem Royal Opera House London; mit Rainer Trost als Aschenbach und Martin Winkler u. a. als Reisender, am Pult steht Gerrit Prießnitz.

Obsession, Homoerotik und Tabu

Thomas Manns 1912 erschienene Novelle Der Tod in Venedig zeichnet ein ambivalentes Szenario: Der alternde Dichter Gustav von Aschenbach reist nach Venedig, um Sinnlosigkeit und Einsamkeit zu entkommen. In der Stadt in der Lagune wird er zunächst von lustvollen Eindrücken gefangen genommen. Doch jäh zieht ein unheilvoller Sturm herauf: Man munkelt, die Cholera habe die „Serenissima“ befallen. Gustav von Aschenbach jedoch ist bereits gebannt von der Schönheit des jungen polnischen Knaben Tadzio – und so versäumt Aschenbach die letzte Gelegenheit, der Epidemie zu entrinnen …

Diese Erzählung von Genie und ästhetischem Empfinden, Obsession, Homoerotik und Tabu faszinierte nicht nur Luchino Visconti, der den Stoff 1971 verfilmte (und in seiner Filmmusik das Adagietto aus Gustav Mahlers 5. Symphonie wirkungsvoll einsetzte), sondern auch Benjamin Britten, der 1973 mit seiner letzten Oper Death in Venice eines seiner dichtesten und abgründigsten Werke schuf. Aufgrund der bekannten weltumspannenden Umstände der letzten zwei Jahre muss eines der zentralen Themen des Werkes – eine alles bedrohende Seuche als „Gamechanger“ – nicht auf seine Aktualität untersucht werden ... Und so findet die Premiere von Der Tod in Venedig, die bereits für April 2021 geplant war, nun auch mit einiger Verspätung statt.

Eine Herzensangelegenheit

Die Inszenierung des schottischen Regisseurs Sir David McVicar, die im Dezember 2019 am renommierten Royal Opera House in London erstaufgeführt wurde, besticht durch ihre Zeitlosigkeit und spiegelt in meisterhafter Weise Mythos und Atmosphäre von Thomas Manns literarischer Vorlage wider. So präsentieren Bühne und Kostüme von Vicki Mortimer, gleich einem aufwändig ausgestatteten Historienfilm, den Stil des beginnenden 20. Jahrhunderts, noch ganz im Bann der Jahrhundertwende. Und das Lichtdesign lässt einen in den Szenen am Lido tatsächlich glauben, man befände sich nicht im Theater, sondern mit Aschenbach und den anderen Hotelgästen im Sonnenlicht am Strand.

An der Volksoper Wien wird Benjamin Brittens Spätwerk, das ihm in vielerlei Hinsicht eine Herzensangelegenheit war, zum ersten Mal überhaupt und in der Tradition des Hauses in deutscher Sprache aufgeführt. Die Übersetzung ist eine Bemerkung wert, denn sie stammt von dem Musikwissenschafter und Journalisten Hans Keller, der 1919 in Wien geboren wurde, Thomas Mann persönlich kannte und die deutsche Fassung des Librettos von Der Tod in Venedig tatsächlich gemeinsam mit Benjamin Britten erarbeitet hat. Eine authentischere Übersetzung eines Opernlibrettos als jene von Hans Keller wird man also selten finden.

Der Tenor Rainer Trost, der an der Volksoper bereits als Alfred sowie als Gabriel von Eisenstein in der Fledermaus zu erleben war, kehrt als ambivalentes Genie Gustav von Aschenbach – umringt von einer hochkarätigen Truppe an Solistinnen und Solisten des Volksopern- Ensembles – an unser Haus zurück und feiert dabei außerdem sein Rollendebüt.

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